Wildcampen ist in den Niederlanden nirgends erlaubt. Natuurmonumenten, die mehr als 112.000 Hektar niederländischer Natur verwaltet, schreibt es auf der eigenen Kampierseite ohne Umschweife hin: écht wildkamperen is nergens in Nederland toegestaan (geprüft am 5. September 2026). Das ist die Antwort. Der Rest hier sagt dir, was daraus folgt und was du stattdessen machst.
Wer das Verbot setzt
Die Regel steht nicht in einem nationalen Gesetz, sondern in der APV, der Algemene Plaatselijke Verordening, die jede gemeente (die niederländische Gemeinde) für sich selbst beschließt. Der Abschnitt heißt fast überall gleich: Kamperen buiten kampeerterreinen. In der aktuellen APV der Gemeinde Epe, in Kraft seit dem 2. Januar 2026, verbietet Artikel 4:18 unter der Überschrift Recreatief nachtverblijf buiten kampeerterreinen genau das, und Artikel 4:19 erlaubt der Gemeinde, einzelne Plätze auszuweisen, an denen es doch geht.
Für dich heißt das zwei Dinge. Verbot und Ausnahme liegen beide beim Rathaus, also ist die Frage nie “ist es in den Niederlanden erlaubt”, sondern “was steht in der APV der Gemeinde, in der ich heute Nacht stehe”. Und wenn ein Schild an der Einfahrt etwas anderes sagt als jede Website, auch als diese, gewinnt das Schild.
Paalkamperen: die Antwort, die im Netz noch überall steht
Fast jeder Text über Wildcampen in den Niederlanden schickt dich zum Paalkamperen: ein Pfahl im Wald, drum herum darfst du zelten, kostenlos. Das war die eine legale Form des freien Zeltens im Land, und Staatsbosbeheer, die staatliche Forstverwaltung, hat sie betrieben.
Sie ist weg. Staatsbosbeheer hat seine Paalkampeerterreinen zum 1. Juni 2020 geschlossen und in derselben Mitteilung festgehalten, dass sie nicht wieder öffnen und abgebaut werden. Als Grund nennt die Behörde Feuer, Müll und Beschädigungen durch andere Nutzergruppen. Das ist kein Winterschluss und keine Corona-Pause, sondern eine Abwicklung, und trotzdem stehen die Plätze in Reiseblogs und Apps bis heute drin. Wenn dich eine Karte zu einer Paalkampeerplaats von Staatsbosbeheer führt, planst du gerade eine Nacht auf einer Wiese, auf der der Pfahl nicht mehr steht.
Was legal und kostenlos übrig ist
Natuurmonumenten weist in De Wieden drei Kanokampeerplekken aus: De Kluitenberg, Walengracht und Giethoorn Oost. Du stellst dein Zelt auf einem Holzsteg im Schilf auf, du darfst dort legal frei kampieren, und es gibt keinerlei Einrichtungen. Kein Wasser, keine Toilette, kein Mülleimer. Nimm also Trinkwasser für die ganze Zeit mit und alles wieder mit, was du hineingetragen hast.
Der Haken steckt im Wort: Kano. Diese Stege liegen im Wasser, und du kommst mit dem Paddel hin. Ein Kanu und Zeltgepäck sind die Voraussetzung, nicht die romantische Variante.
Die Paal steht heute in Belgien
Das Paalkamperen, das du online findest und tatsächlich buchen kannst, liegt über der Grenze. Im Nationaal Park Hoge Kempen in Belgisch-Limburg betreibt der Regionaal Landschap Kempen en Maasland es zusammen mit dem Agentschap voor Natuur en Bos. Thorpark und die beiden Plätze in der Duinengordel sind kostenlos, Terhills kostet 15 Euro pro Person und Nacht plus 1,50 Euro Kurtaxe. Reservieren musst du überall online. Es gilt: höchstens zehn Personen, in Thorpark und Duinengordel höchstens drei Zelte, alles im Umkreis von 10 Metern um den Pfahl, Aufbau ab 18 Uhr und weg bis 10 Uhr (in Terhills ab 17 Uhr und bis 9:30 Uhr). Offenes Feuer ist verboten, in Thorpark nur im bereitgestellten Feuerkorb. Angereist wird zu Fuß oder mit dem Rad.
Und das Wohnmobil?
Nichts davon ist für dich. Zum Paalkamperen kommst du zu Fuß oder mit dem Rad, zu den Kanokampeerplekken mit dem Boot. Für ein Fahrzeug bleiben in den Niederlanden der Campingplatz und der ausgewiesene Camperplaats, den eine Gemeinde nach dem Muster von Artikel 4:19 einrichtet. Plan die Nächte im Voraus, statt darauf zu setzen, dass du abends etwas findest. Wie das Freistehen anderswo in Europa geregelt ist, steht bei uns unter Regeln und im Überblick zum Wildcampen in Europa; was beim Übernachten im Fahrzeug generell zählt, steht im Leitfaden zum Übernachtungsparken.
Sources
- Kamperen in de natuur, Natuurmonumenten (Kampieren in der Natur)
- Staatsbosbeheer stopt per 1 juni met paalkampeerterreinen (Schließung der Paalkampeerterreinen)
- Algemene plaatselijke verordening gemeente Epe 2026, Afdeling 5 Kamperen buiten kampeerterreinen
- Paalkamperen in het Nationaal Park Hoge Kempen (Belgien)
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